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Anschließen von Effektgeräten:

Einteilung nach Einsatzzweck

Man unterscheidet zwischen Effektgeräten, die
1. die Spiel- & Sound-Charakteristik des Instruments verändern
2. die den fertigen Instrumentensound aufpolieren.

zu 1:
Vorwiegend bei Saiteninstrumenten eingesetzt werden: Booster, Verzerrer, Filter, veränderbare Filter (WahWah), Kompressoren, Limiter, Harmonizer, etc..

bei Vocals:
Obertonerzeuger, Exciter, Filter, dynamische und mitlaufende Filter, Kompressoren, Limiter, De-esser, etc..

zu 2:
Werden bei allen Instrumenten und für das Gesamtprodukt eingesetzt: Delay, Hall, Chorus, Tremolo, AutoPan, etc. dazu Effekte, die das Stereobild verbessern, den Raum vergrössern, die Basisbreite erhöhen, das Durchsetzungverhalten erhöhen, mehr Punch bringen etc...

Als Vorschaltgerät oder im Insertweg?

Die Reihenfolge ergibt sich aus dem oben gesagten:
Instrument -> Effekte Kategorie 1 -> Preamp -> Effekte Kategorie 2 -> Endstufe oder Mixer/Tape.
(Bei Vollamps wird der Einschleifweg mit Send-Return für Effekte der Gruppe 2 benutzt.)

oder:
Vocals -> Effekte Kategorie 1 -> Effekte Kategorie 2 -> Endstufe oder Mixer/Tape.

Es gibt aber wie immer schwierige Fälle: z.B. klingt Chorus als Tretmine vor dem Gitarrenamp im cleanen Bereich durchaus ok, bei Overdrive aber furchtbar, da das Chorussignal noch mit verzerrt wird. Ein Overdrivesound mit Chorus im Insertweg danach klingt aber super: es ist also besser, ihn erst nach der Overdriveerzeugung einzuschleifen.
Damit kommt das nächste Problem: die unterschiedlichen Pegel der Effektgeräte.

Pegel von Effektgeräten

Hier muss zwischen Gitarren- und anderen Anlagen unterschieden werden:

Pegelverhältnisse in Gitarrenanlagen:

Direkt vorweg die beste Lösung: Gitarre -> Tretminen (9 Volt Bodentreter) -> Preamp (Insertweg) -> 19-Zoll Effekgerät mit Netzanschluss (für Hall, Reverb, Chorus etc.) -> Endstufe

Warum das? Die Tretminen werden fast alle mit 9 Volt Batterien oder 9 Volt DC-Netzteilen betrieben, daher können sie nur kleine Pegel verarbeiten ohne zu verzerren. Für passive Gitarren-Pickup-Signale reicht das, (bei aktiven Pickups - also solchen mit Bufferung, Verstärkung und EQ - können sie aber schon mal anfangen unangenehm zu zerren.) Schleift man diese Bodentreter in eine Send-Return-Loop ein gibt's Verzerrungen. Hier sind die Pegel schon bedeutend größer - aus gutem Grund: je höher der Pegel, um so weniger besteht die Gefahr von Brummen und anderen Störungen.

19 Zoll Effektgeräte werden intern mit mindestens +- 15 Volt DC (also 30 Volt verglichen mit der 9 Volt Batterie) oder mehr betrieben, können also viel höhere Pegel unverzerrt verarbeiten.
Anmerkung: manche 19-Zoll Effektgeräte arbeiten mit externen 9 Volt AC (Wechselspannung) Netzteilen, diese 9 Volt werden im Gerät wieder auf höheres Niveau gebracht, so dass hohe Pegel verarbeitet werden können. Aber zur Sicherheit in den technischen Daten des Gerätes nachsehen, der maximale Ausgangspegel sollte mindestens + 6dBV betragen.

Also alles mit 9 Volt Batterie nur zwischen Gitarre und Amp, in den Insertwegen oder zwischen Preamp und Endstufe nur Geräte benutzen, die hohe Pegel vertragen. Wer ein 9 Volt Batterie Effektgerät vor dem Poweramp einschleift, sollte sich nicht wundern, wenn statt der erwarteten 60 Watt nur noch eine sehr kleine Leistung aus der Endstufe kommt.

Gute 19 Zoll Effektgeräte haben einen Schalter mit 0 bzw. +6 db und -20dB Wahl (oder auch in dBm, dBU, dBV ), die in der -20dB Stellung als Vorschaltgeräte, in der 0 bzw. +6dB Stellung im Insertweg oder zwischen Preamp und Poweramp betrieben werden können. Dieser Schalter sollte für Input und Output vorhanden sein, sonst spielt man mit der niederpegeligen Gitarre in einen hochpegeligen Input, was Rauschen zur Folge hat! Die Impedanz des Inputs (Eingangswiderstand) sollte in -20dB-Stellung größer/gleich 1 MOhm (megohm) sein, bei kleineren Werten kommt es sonst bei passiven Pickups zu erheblichen Höhenverlusten (dumpf).

Pegelverhältnisse in anderen Anlagen:

Bei allen anderen Instrumenten, Mixern und PA/Studio-Equipment, liegen die Pegel meist auf 0 dB und höher oder werden mit Vorverstärkern auf diesen gebracht (z.B. Mikrofon). Hier wird dann auch nicht mit 9 Volt Batteriegeräten gearbeitet.

Seriell oder parallel einschleifen?

Beim seriellen Einschleifen wird das Originalsignal völlig unterbrochen und läuft durch das Effektgerät, beim parallen Einschleifen bleibt das Originalsignal erhalten und das Effektsignal wird nur zugemischt. Gitarristen befürchten oft, dass ihr Originalsound leidet wenn er auch durch das Effektgerät läuft, in dem Fall wäre paralleler Betrieb besser.

Zu beachten ist dabei, dass die Presets fast aller Multieffektgeräte bereits eine ausgewogene Mischung von Original und Effekt sind, beim parallen Zumischen zum Original ist der Originalsound dann zu laut. Man muss also am Effektgerät das Volumen des Originals in allen Presets auf null programmieren und das gewünschte Mischungsverhältniss manuell am Amp einstellen. Besonders bei Effekten wie Chorus und Flanger erfordert das viel Fingerspitzengefühl, nur ein ganz bestimmtes Mischungsverhältniss klingt gut, alle andern nicht.

Wer sich mit diesen Problemen nicht herumschlagen will, und den Sound auch noch gut findet wenn er durch das Effektgerät gelaufen ist, sollte seriell einschleifen.

Was ist ein Bypass?

Ein Nicht-Herzchirurg versteht darunter die Umschaltung zwischen dem Sound mit und ohne Effekt. Leider gibt es in der technischen Ausführung Varianten, die den Sound negativ beeinflussen können.

1. Es wird einfach das Effektsignal weggeschaltet, das Original läuft weiter durch die Elektronik ( wie Buffer, Verstärker, Regler, ja sogar durch die Analog/Digital-Wandler). Das bringt Soundverluste und und erhöht die Störsignale, besonders wenn mehrere Effektgeräte hintereinander geschaltet sind (Tretminen bei Gitarristen).

2. Die Umschaltung erfolgt mit elektronischen Schaltern, d.h. auch hier liegen im Signalweg immer ICs, Transistoren und andere Bauteile. Auch das bringt Soundverluste und und erhöht die Störsignale. Bei hochohmigen Signalquellen wie passiven Gitarren-Pickups wird zudem mit jedem dieser Geräte die Impedanz geringer, was zum Verlust der hohen Frequenzen und zu Volumenverminderung führt.

Eine soundneutrale Bypass-Schaltung wird daher am besten mit Relais oder einem normalen Schalter, der das Signal - nicht die Elektronik - schaltet, realisiert. Nachteil: Es kann beim Umschalten knacken.

Man kann sich mit einem 2poligen Umschalter (auch als Fußschalter), 4 Klinkenbuchsen und einem Metallkästchen einen soundneutralen Bypass-Schalter für ein Mono-Effektgerät bauen (lassen).

Was bedeuted AC DC?

Für die älteren Semester auch “a whol' lotta roses”, ansonsten ist AC (alternating current) Wechselspannung, DC (direct current) Gleichspannung. Batterien liefern Gleichspannung, daher braucht man für batteriebetriebene Tretminen DC-Netzteile, meist 9 Volt. Viele 19 Zoll-Effektgeräte haben gar keinen 220V Netzanschluss mehr, stattdessen externe 9 Volt AC Netzteile. Der Grund liegt darin, dass man nur mit “Niederspannung - also wie mit elektrischer Eisenbahn” arbeitet so kann man sich die teure Sicherheitsprüfung für 220 Volt sparen. Das Sicherheitsproblem bleibt auf der Seite des Netzteilherstellers. Der Nachteil liegt auf der Hand: wackelige, störanfällige Ministeckerchen - ein 220V-Schukostecker ist da schon bühnentauglicher!

Stromversorgung von Effektgeräten:

Statt 9 Volt Batterien sollte man aufladbare Akkus verwenden, das spart Geld. Am besten ist ein Lithium 9 Volt Akku, der im Vergleich zu Nickel-Cadmium- oder Nickel-Metallhydrid-Akkus eine grössere Kapazität hat ( 1,2 Ah zu 0.15 Ah) und somit seltener nachgeladen werden muss.

Wer das Gefummel mit den 'zig Steckernetzteilen satt ist, sollte sich ein starkes Netzteil kaufen oder bauen lassen. Wenn es die DC-Spannungen für die Bodentreter liefern soll, muss es absolut brummfreie Spannungen liefern, Batterien brummen schließlich auch nicht. Also ein stabilisiertes Netzteil mit niedrigen Störspannungen.

Natürlich nur Geräte zusammenschalten, die gleiche Spannungsart (also AC oder DC) und gleiche Spannung ( 9V->9V, 12->12V, etc.) haben.

Um die benötigte Stärke des Netzteils zu ermitteln, die Ströme der einzelnen Geräte addieren.

Aber Vorsicht bei der Polung der DC-Spannung! Bei der Polung der Stecker hat sich der Minuspol in der Mitte und Pluspol außen durchgesetzt, aber überprüfen! Leider gibt es Unterschiede, ob der Plus- oder Minuspol mit der Masse (ground) des Gerätes zusammengeschaltet ist. Man kann nur die zusammenschalten, bei denen das gleich ist, sonst gibt es Kurzschlüsse! Mit einem Ohmmeter (Durchgangsprüfer) oder Techniker checken.

Bei AC-Netzteilen sollte das Zusammenschalten eigentlich problemloser sein, es gibt jedoch Fälle, bei denen Brummen entsteht - ausprobieren!

Tipps zum Kauf:

Vorzuziehen sind auf jeden Fall Effektgeräte mit integriertem 220V Netzteil, also mit Netzkabel. Kauft man so ein preiswertes Teil ohne, muss man sowieso noch ein Netzteil für 50-70 Euro dazu kalkulieren.
Wenn das Effektgerät für Gitarrenanlagen benutzt wird, sollte ein Pegelschalter 0 / -20dB für Input und Output vorhanden sein.
Eine soundneutrale Bypass-Schaltung sollte auch nicht fehlen.

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